Kastanienallee (Rosenthal) und Friedrich-Engels-Straße: Sachstand zur Planung

Vertreter des Vereins für nachhaltige Verkehrsentwicklung e.V. und des Bürgervereins Dorf Rosenthal e.V. trafen sich im Januar mit Stadtrat Kuhn, um den aktuellen Stand der Planung für die Kastanienallee und die Friedrich-Engels-Straße in Erfahrung zu bringen. Im Folgenden wollen wir die wesentlichen Ergebnisse kurz darstellen.

 

Sachstand Planung Kastanienallee

Die Sanierung der Kastanienallee zwischen Friedrich-Engels-Straße und Dietzgenstraße soll in zwei Teilabschnitten erfolgen. Der erste Teilabschnitt (TA) ist die Strecke Friedrich-Engels-Straße bis Eschenallee, der 2. Teilabschnitt zwischen Eschenallee und Dietzgenstraße.

Für den 1. TA ist kein Planfeststellungsverfahren erforderlich. Änderungen am Straßenquerschnitt könnten sich jedoch noch aufgrund neuer Bestimmungen zu den Flächen zur Oberflächenwasserversickerung ergeben. Beginn der Baumaßnahmen soll ab dem Jahr 2020 sein.

Für den 2. TA soll ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Das schalltechnische Gutachten liegt vor. Daraus soll jedoch hervorgehen, dass nachts die Grenzwerte der 16. Bundes Immissionschutzverordnung überschritten werden. Anwohnende hätten demnach Anspruch auf Kostenerstattung für Schallschutzfenster. Es würde absehbar dabei bleiben, dass nur nachts Tempo 30 angeordnet werden würde. Leider wurde uns bisher die Einsichtnahme nicht ermöglicht, sodass wir keine eigenen Erkenntnisse bislang zum Gutachten haben.

Verkehrsprognose für die Kastanienallee: zwischen Schönhauser Str. und Dietzgenstr. sind die Verkehrsmengen wie folgt:

  • 2014: 6.200 Fzg./Tag
  • 2018: 7.800 Fzg./Tag
  • Erwartet 2030: 8.800 Fzg./Tag

Zwischen Friedrich-Engels-Straße und Schönhauser Straße werden 2018 9.000 Fzg./Tag gezählt, die Prognose für 2030 sollen 11.000 Fzg./Tag sein.

Die Straße soll weiterhin in der Stufe III des übergordneten Netzes klassifiziert werden. Der Antrag für das Planfeststellungsverfahren kann frühestens 2021 gestellt werden. Die Einführung von Tempo 30 generell wäre eine politische Vorgabe, ergibt sich jedoch nicht zwingend aus den rechtlichen Gegebenheiten. Für den 2. TA ist die Zeitplanung noch unklar, jedoch frühestens nach Vollendung des 3. Bauabschnitts der Friedrich-Engels-Straße (s.u.).

Sachstand Planung Friedrich-Engels-Straße

Die Friedrich-Engels-Straße ist bekanntermaßen eines der größten Verkehrsprobleme in Pankow bzw. sogar in ganz Berlin mit Lärm und Erschütterungen durch Schwerlatsverkehr auf grobem Kopfsteinpflaster. Aufgrund wechselnder Planungen und Anforderungen kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Verzögerungen in der Planung für die Sanierung, zuletzt weil statt der bisher eingleisigen Straßenbahnstrecke nun eine zweigleisige Strecke vorgesehen ist. Der aktuelle Stand ist wie folgt:

Seit Mitte 2018 liegen alle Gutachten und Planungsunterlagen für die Sanierung der F.-E-Straße vor. Diese werden aktuell ausgewertet und die Einreichung für das Planfeststellungsverfahren (notwendig durch die Straßenbahnlinie) vorbereitet. Die Einreichung wird Ende 2019/Anfang 2020 erwartet. Das Verfahren bzw. die darin vorgesehenen Anhörungen dauern ca. 1-2 Jahre, daraufhin können die Ausschreibungen erfolgen. Demzufolge wäre dann ein Baubeginn erst 2022 oder 2023 frühestens zu erwarten.
Für den 2. TA Kastanienallee hieße dies dann nach unserer Einschätzung Baubeginn frühestens ca. 2026.

Unsere Bewertung:

Aus unserer Sicht muss die Ausgestaltung der künftigen Kastanienallee eingebettet in ein modernes Verkehrskonzept erfolgen. Hier sind grundsätzliche Entscheidungen über künftige Menge an Schwerlastverkehr, PKW-Verkehr oder Fahrrad- und Fußverkehr zu treffen und zu berücksichtigen.

Dass die Kastanienallee mitten durch ein reines und historisch gewachsenes Wohngebiet führt und hier auch entsprechende Belange hinsichtlich Lärmschutz, Verkehrsbelastung, Verkehrssicherheit und Ortsbild zu für die Anwohnenden relevant sind, bleibt im aktuellen Konzept fast vollständig unberücksichtigt. Die Planung der Kastanienallee in einem reinen Wohngebiet unter Wegfall aller Bäume steht symbolisch für diese Denkweise.

Tatsächlich entspricht die aktuelle Planung primär den Bedürfnissen des Auto- und Schwerlastverkehrs, welche immer noch offenbar die einzig relevante Planungsgrundlage sind.

Wir halten diese Art der Planung für unvereinbar mit einer modernen, ökologischen und sozialen Stadtentwicklungspolitik. Nur im Rahmen eines Verkehrskonzeptes für diesen Raum können sinnvolle Entscheidungen zur Einbeziehung des Radverkehrs, zum Straßenquerschnitt und daraus abgeleitet auch zur Neupflanzung von Bäumen getroffen werden. Eine sinnvolle Radwegeplanung könnte hier auch z.B. die Nebenstraßen als Fahrradstraßen einbeziehen, sodass die Bäume erhalten bzw. neu gepflanzt werden könnten. Stattdessen soll die Kastanienallee grundhaft verändert, ein Wohngebiet zerteilt und die Bäume gerodet werden, ohne dass erkennbar ist, wo der LKW- und Pendlerverkehr nach Passierung der Kastanienallee hinfahren soll. Ein Planfeststellungsverfahren wird absehbar nur die Straße selbst, nicht aber ihre Bedeutung im Kontext des Verkehrsraums betrachten. Das Planfeststellungsverfahren kann daher ein Verkehrskonzept nicht ersetzen.

Wir fordern daher zuerst ein erkennbares Verkehrskonzept nach modernen, ökologischen und sozialen Richtlinien vom Senat für diesen Verkehrsraum, welches wir mit unserer Petition einfordern. Danach wird schnell klar werden, welche Planung für die Kastanienallee sinnvoll ist. Bauen ohne dahinterliegendes Konzept erfüllt keine Ansprüche an moderne Stadtentwicklung und führt nicht zu für die Zukunft tragfähigen Ergebnissen.

Hinsichtlich der Friedrich-Engels-Straße müssen aus unserer Sicht die Behörden weitere Einschränkungen des Verkehrs – insbesondere des Schwerlastverkehrs – für diese Straße anordnen. Eine Tonnagebegrenzung auf 7,5t, wie sie in einem Einwohnerantrag der BVV von den Anwohnenden gefordert wird, ist aus unserer Sicht zwingend erforderlich. Über weitere Einzelmaßnahmen, die die Situation bis zum Baubeginn für die Sanierung (z.B. Gehweg- und Schlaglochsanierung) verbessern bzw. für die Anwohnenden erträglicher machen muss umgehend entschieden werden.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Kastanienallee (Rosenthal) und Friedrich-Engels-Straße: Sachstand zur Planung“

  1. Hinweis / Anm: Entsprechend der Planungen zur Wiederbelebung der ” Heidekrautbahn ” soll im Märkischen Viertel eine neue Haltestation eingerichtet werden. Wenn die Heidekrautbahn Anschlüsse zur S-Bahn und zum zum Fernbahnhof Gesundbrunnen erhält ist absehbar, dass sehr viele Pendler dieses Angebot in beide Richtungen nutzen werden. Auf jeden Fall sollten die Planungen den Bedarf nach erweitertem Parkraum am S-Bahnhof Wilhelsruh und vermehrten Kfz-verkehr dorthin berücksichtigen. Dies ist nur ein Aspekt der für ein Verkehrkonzept spricht. Andere Aspekte wären weitere Verdichtungen im Rahmen des Neubaues von Wohnungen, wahrscheinlich auch mit einer Randbebauung des ehemaligen ” Grenzstreifens ” und mit der Wiederaufnahme der Planungen zur Elisabeth Aue .
    Weiterhin lassen jüngste Überlegungen des Senats zur Einbeziehung der Kleingarten-Anlagen in prognostische Planungen vermuten, dass Niederschönhausen, Rosenthal und Wilhelmsruh dabei auf Dauer nicht ausgespart bleiben. Jedes weitere Wachstum der Bevölkerung im Stadtbezirk Pankow., wie zum Beispiel die 2000 Wohnungen am Pankower Tor (Bahngelände ) hat mittelbar Auswirkungen auf den Pankower Norden. Man sehe sich beispielweise nur die drastisch zunehmenden Besucherzahlen des Botanischen Gartens Blankenfelder Chaussee an. Auch die ( wieder ) zunehmende Bedeutung des Industriestandortes Wilhelmsruh ( Großaufträge zur Herstellung von Wagen für U -und S-Bahn ) mit mehr Arbeitsplätzen und Wohnungsbedarf verlangt auch / gerade wegen des Schwerlasttransports nach einem umfassenden Verkehrkonzept.

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