Bürger fragen, Verwaltung antwortet – oder nicht ?

Am 29.11.2017 wurden vom Verein für nachhaltige Verkehrsentwicklung e.V. im Rahmen einer Einwohneranfrage zu Beginn der ordentlichen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Pankow Fragen zur geplanten Sanierung der Kastanienallee gestellt. Dies erfolgte auch deswegen, weil zu zentralen Fragen der aktuellen Planung das Bezirksamt bzw. der zuständige Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn in vorausgeangenen Gesprächen keine inhaltlich ausreichenden Antworten gegeben worden waren.

Ob Politik und Verwaltung  die Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantworten oder nicht, können Sie selbst anhand der gestellten Fragen und Antworten hier beurteilen. Anmerkung: die Antworten entstammen der Mitschrift der vorgetragenen Antworten von Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn. Falls schriftliche Antworten noch eingehen sollten, wird dieser Artikel entsprechend aktualisiert. 

Einwohneranfrage an die BVV Pankow vom 29.11.2017

Hintergrund: das Bezirksamt beabsichtigt die Kastanienallee in Pankow-Rosenthal zu sanieren bzw. neu zu bauen (Baubeginn 2019). Die Kastanienallee ist Teil einer durch Industrie- und Pendlerverkehr stark genutzten Verkehrsachse zwischen den Industriegebieten in Reinickendorf über Rosenthal – Frz. Buchholz – Autobahnanschluss A114, die in weiten Teilen durch dicht bebautes Wohngebiet führt. Diese Wohngebiete werden aktuell – u.a. durch städtische Wohnungsbaugesellschaften – mit mehreren hundert Wohnungen stark nachverdichtet. Im besonders eng bebauten Abschnitt zwischen Eschenallee und Dietzgenstraße liegt die Lärmbelastung durch Schwerlast- und Pendlerverkehr bereits lt. amtlicher Lärmkarte (Tag-Abend-Nacht) bereits bei 65-70dB(A). Das Umweltbundesamt geht von einer Schädigung der Gesundheit ab einem Pegel von 65dB(A) tags und 55dB(A) nachts aus.

Nach der derzeit vom Bezirksamt veröffentlichen Planung sollen in der künftigen Kastanienallee Bereich zwischen Eschenallee und Dietzgenstraße

  • Alle Bäume ohne Ersatz in der Kastanienallee gefällt werden

  • Alle Parkflächen ersatzlos entfallen

  • Der Raum zwischen den Häusern im Wesentlichen durch die Fahrbahn mit Geh- und aufgemaltem Radweg ohne Straßenbegleitgrün und ohne Rücksicht auf das dörfliche und wohngebietstypische Umfeld der Straße gestaltet werden.

Fragen:

1. Nach einem Ausbau der Kastanienallee in o.g. Weise muß von einer weiteren Zunahme des Verkehrs einhergehend mit einer dann erlaubten Geschwindigkeit von 50km/h ausgegangen werden.

Frage: wie beabsichtigt das Bezirksamt sicherzustellen, daß nach Neubau keine gesundheitsgefährdenden Lärmbelastungen für die Anwohner mehr bestehen ? Von welcher Verkehrsdichte geht das Bezirksamt künftig aus ?

Antwort:

  • Es liegen derzeit keine Unterlagen zu künftiger Lärmbelastung vor.

  • Die Verkehrsprognose geht derzeit von 11.000Fzg. / Tag bei einem LKW-Anteil von 4% für die Kastanienallee und einem aufkommen von 8.000 Fzg. / Tag mit einem LKW-Anteil von 4% für die Schönhauser Straße aus.

2. Die Auslastung des Parkraums beträgt ibs. zu den Tagesrandzeiten bereits 80-100% in den Nebenstraßen der Kastanienallee.

Frage: welcher Parkraum steht den Anwohnern nach Wegfall der Parkmöglichkeiten in der Kastanienallee in o.g. Abschnitt zur Verfügung und wie beabsichtigt das Bezirksamt, eine deutliche Zunahme des Parkplatzsuchverkehrs mit einhergehender Lärmentwicklung in den Nebenstraßen zu vermeiden ?

Antwort:

  • Die Erhaltung des Parkraums ist nicht möglich.

  • Die Anwohnerinnen und Anwohner müssen Verständnis für längere Fußwege beim Abstellen ihres Fahrzeugs aufbringen.

  • Zwischen Friedrich-Engels-Str. Und Eschenallee werden Schrägparkplätze eingerichtet.

  • Im Bereich Birkenallee werden einige zusätzliche Parkplätze vorgesehen.

3. Durch Wegfall aller Bäume in einer Allee durch Wohngebiet und Verbreiterung der Straße in o.g. Abschnitt wird sich das Ortsbild in diesem Teil deutlich verändern.

Frage: durch welche Maßnahmen beabsichtigt das Bezirksamt, die Einschnitte in das wohngebietstypische und dörfliche geprägte Umfeld der Straße zu minimieren und einen Interessensausgleich zwischen Anwohnern und Durchgangsverkehr zu gewährleisten ?

Antwort:

  • Die Kastanienallee ist eine Straße mit einer Verkehrsfunktion der Kategorie III.

  • Die Kastanienallee ist eine Straße für Wirtschaftsverkehr.

  • Die Planung erfolgt mit lärmarmen Asphalt.

  • Eine Überprüfung zur Anordnung von Tempo 30 nachts wird nach Bau der Straße in Aussicht gestellt.

4. Der auf der Straße geplante Radweg führt senkrecht auf die Mauer des Friedhofs Nordend zu und entspricht absehbar nicht den zu erwartenden Routen für zunehmenden Radverkehr nach Frz.-Buchholz und Zentrum Pankow.

Frage: inwiefern liegt der Entscheidung für den Bau einer Straße mit Radweg und damit ohne Straßenbegleitgrün im Verkehrsausschuss der BVV vom 15.12.2015 eine Bedarfsanalyse und Prüfung alternativer Radrouten zugrunde ?

Antwort:

  • Mit dem Bau der Kastanienallee werden Lücken im Radverkehrsnetz geschlossen.

5. Frage: in dem in Frage 4 genannten Beschluss ist keine Verbreiterung der Straße beschlossen worden. Liegt der aktuellen Planung eine Verbreiterung der Straße zugrunde ?

Antwort:

  • Eine Verbreiterung des Querschnitts ist nicht vorgesehen.

Anmerkung: nach unserer Auffassung beweisen die aktuellen Pläne das Gegenteil.

6. Frage: welche Informationen liegen dem Bezirksamt zur künftigen Einordnung der Kastanienallee in ein Verkehrskonzept im Pankower Norden und zur Planung der im Flächennutzungsplan vorgesehenen Trassenfreihaltung entlang der ehem. Industriebahn Tegel-Friedrichsfelde bzw. Bezirksgrenze zu Reinickendorf vor ?

Antwort:

  • Es wird auf die Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr verwiesen.

 

Unsere Meinung hierzu ist: die mehrfach seitens der Bürgerinnen und Bürger vorgetragenen Bedenken gegen die Sanierung der Kastanienallee, die einem wesentlichen Ausbau der Straße für Industrie- und Pendlerverkehr mitten durch ein Wohngebiet entspricht, werden weitgehend ignoriert.

Sie haben auch Bedenken gegen die Sanierung der Kastanienallee in der vorgesehenen Weise ? Auch Sie können sich direkt an Vollrad Kuhn wenden.

Ein Gedanke zu „Bürger fragen, Verwaltung antwortet – oder nicht ?“

  1. Weder Herr Benn (Bürgermeister von Pankow) noch Herr Kuhn haben auf meine Anfragen seit August 2017 reagiert. Dabei geht es auch um den 3.BA der Friedrich-Engels-Str., der ja die Kastanienallee direkt tangiert. Es ist wirklich unglaublich, wie gleichgültig man seitens des Bezirks sich den angezeigten Themen stellt. Da ist die Erwartungshaltung für den offiziellen Januartermin relativ niedrig, denn es steht wohl auch noch kein Ort fest.

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