Vorplanung Kastanienallee – Gespräch bei Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn

Am 01.06.2017 fand im Rahmen der Bürgersprechstunde in Gepräch zwischen Vertretern des Vereins für nachhaltige Verkehrsentwicklung Berlin (VNVE) und Stadtrat Kuhn bzw. mit weiteren mit der Planung der Sanierung/des Neubaus der Kastanienallee betrauten Mitarbeiterinnen statt.

Der VNVE brachte hierbei im Wesentlichen folgende Bedenken der Anwohner/-innen vor:

  • Die geplante Straße paßt sich nicht in das dörfliche Umfeld Rosenthals ein und zerstört das Ortsbild – Betonpiste statt Allee
  • Eine Sanierung im Stile einer Bundesstraße mitten durch Wohngebiet wird noch mehr Durchgangs-, Pendler- und Schwerlastverkehr anziehen – und das vor dem Hintergrund der bereits bestehenden hohen Belastungen und völlig ungelöster übergreifender Verkehrsprobleme
  • Es wurde gefragt, ob es eine Verkehrsprognose nach Sanierung gibt
  • Als besonderer Verlust wird der Wegfall aller Bäume bzw. des alten Baumbestands ab Eschenallee und der Wegfall des grünen Mittelstreifens vor Eschenallee empfunden – dies ist ein relevantes Stück Stadtnatur und untrennbar mit dem Ortsbild Rosenthals verbunden
  • Alle Anwohnerparkplätze ab Eschenallee fallen weg – was u.a. zu einer Zunahme des Parkplatzsuchverkehrs in den Nebenstraßen führt

Herr Kuhn bzw. die anwesenden Mitarbeiterinnen der Verkehrsplanung antworteten zusammengefaßt wie folgt:

  • Die Baumaßnahme wurde von der BVV im Dezember 2015 beschlossen
  • Der Bezirk führt nur die Planung aus, der Senat macht die Vorgaben
  • Die Kastanienallee ist eine Straße für Mischverkehr – und somit keine Wohngebietsstraße
  • Es gibt keine übergreifende Verkehrsplanung oder Prognose von Verkehrsmengen nach Sanierung
  • Es wird ein lärmreduzierender Asphalt vorgesehen
  • Parkplätze sind grundsätzlich nicht mehr Bestandteil der Planung auf öffentlichen  Straßen – diese müßten von Anwohnern auf deren Grundstücken errichtet werden
  • Der Radschutzstreifen ist nicht gleichzeitig mit dem Erhalt der Bäume zu realisieren. Daher werden alle Bäume ab Eschenallee gefällt.

Die Vertreter des VNVE bedauern in ihrer Bewertung des Gesprächs, daß in keinem der vorgebrachten o.g. Punkte den Interessen der Anwohner/-innen Rechnung getragen wird und haben nach wie vor schwere Bedenken bezüglich der Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensqualität, Ortsbild und Stadtnatur in diesem Teil Rosenthals.
Die Ausführung der Planung steht zudem im Widerspruch zu den politischen Aussagen der Parteien, die derzeit die Straßen- und Verkehrsplanung verantworten, im Sinne einer ökologischen, sozialen und nachhaltigen Verkehrspolitik.

Eine Zusammenfassung des Gesprächs können Sie im internen Bereich (Dokumente-ARCHIV) der Webseite einsehen.

2 Gedanken zu „Vorplanung Kastanienallee – Gespräch bei Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn“

  1. Welche konkreten Vorgaben von Seiten der Sen.-Verwaltung wurden dem Bezirk für die Gestaltung der Kastanienallee gemacht ? Nur die Klassifizierung der Straße ?
    Die Entwurfsplanung des Bezirks entspricht der StraßenKlassifizierungM. Parkflächen u Verkehrsgrün ( u a Baumbestand ) haben keinen Bestandsschutz.Ersatzmaßnahmen müssen nicht vor Ort durchgeführt werden. Die in der Beratung mit Bezirksstadtrat Kuhn angesprochenen Probleme sind keine wirksamen Argumente für eine Änderung der Straßenplanung.
    Wichtiger ist vielmehr die Beantwortung der Frage nach der übergeordneten Verkehrsplanung. Warum werden seit 1990 keine konkreten Aussagen zur Planung bzw.Umsetzung der Nordtangente gemacht .
    Mit der Rekonstruktion der Kastanienallee werden, unter starker Verschlechterung der Lebensqualität der Anwohner, kurzfristig qualitative Verbesserungen der Staßenkonstruktion erreicht aber keine verkehrlichen Lösungen für die Zukunft.
    Nachsatz : Am Ende des 3.Satzes ist ” M ” ein Druckfehler.

  2. Es ist derzeit unklar, welche Vorgaben gemacht wurden, da die Aussagen von Herrn Kuhn und des Senats sich widersprechen. Es scheint jedoch, als sei primär doch der Bezirk für die Ausgestaltung der Planung zuständig.
    Es ist in der Tat die Frage, ob “bei fehlendem Bestandsschutz” alles Grüne einfach so umgemäht werden darf und der Charakter des Wohngebietes dem Industrie- und Durchgangsverkehr geopfert werden muß. Ich meine, daß – entgegen der Aussagen von Politik und Verwaltung – die Kastanienallee nicht losgelöst von ihrem Umfeld betrachtet werden darf. Auch übergeordnete Straßen müssen sich in ihr unmittelbares Umfeld einfügen. Und darauf muß die Planung Rücksicht nehmen. Die Gesundheit der Anwohner darf nicht durch eine unangemessene Planung weiter gefährdet werden.
    Bezüglich der übergeordneten Verkerhsplanung gibt es erste Ansätze, die auf unseren Druck hin nun aufgenommen werden. Siehe auch die Pressemeldung zum Thema mit Staatssekretär Kirchner.

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